Chemie-Arbeitskosten: Nur Belgien ist teurer als Deutschland


30.10.2017 – Die deutsche Chemie steht in einem scharfen internationalen Wettbewerb – und hier spielen die Arbeitskosten eine wesentliche Rolle. Diese beliefen sich in der deutschen chemischen Industrie im Jahr 2016 auf 53,96 Euro je Arbeitnehmerstunde. Nur der Konkurrent Belgien ist mit 57,62 Euro noch teurer. Die übrigen EU-Nachbarländer können hingegen mit zum Teil deutlich niedrigeren Arbeitskosten kalkulieren – ebenso wie die USA und Japan.


So sind beispielsweise in Frankreich die Kosten für die Arbeitsstunde mit 48,28 Euro, in Schweden mit 46,69 Euro oder Österreich mit 46,63 Euro 12 bis 15 Prozent niedriger. Der Abstand der deutschen Chemie-Arbeitskosten zu den angelsächsischen Ländern ist weiterhin beträchtlich. In den USA kostete die Arbeitsstunde umgerechnet 41,25 Euro, in Großbritannien 29,62 Euro und damit 24 bzw. 45 Prozent weniger. Auch Japan und Spanien agieren auf einem vergleichbar niedrigen Kostenniveau. Sie können damit beim Faktor Arbeit günstiger produzieren als die Unternehmen in der deutschen Chemie. In Japan mussten zuletzt 36,73 Euro je Beschäftigtenstunde aufgewendet werden, vergleichbar viel wie in Italien (34,36 Euro). Das Kostenniveau der benachbarten osteuropäischen Konkurrenz in Ungarn, Tschechien oder Polen liegt mit 7 bis 12 Euro je Stunde bei weniger als einem Drittel der deutschen Arbeitskosten.

Zwischen 2014 und 2016 hat sich die Beschäftigtenstunde in der deutschen Chemie um 5,7 Prozent verteuert. Das ist der deutlichste Anstieg in Westeuropa. Eine größere Kostendynamik mit zum Teil zweistelligen Zuwächsen weisen die osteuropäischen Länder auf; dies beruht allerdings auf einem erheblich niedrigeren Kostenniveau.


Haupttreiber der Arbeitskosten sind die Löhne. Die Lohnstückkosten in der deutschen Chemie-Branche sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen – in einem Ausmaß, das über die Steigerung der Produktivität hinausgeht. Dies schwächt auf Dauer die internationale Wettbewerbsfähigkeit.


Quelle: Ergebnisse der jüngsten BAVC-Auswertung zur internationalen Arbeitskosten-Rangliste der Chemie-Branche für das Jahr 2016. Grundlage der Berechnungen ist die fortgeschriebene Arbeitskostenerhebung der Europäischen Union. Daneben wurden auch Daten aus Japan und den USA einbezogen. Zu den Arbeitskosten zählen neben den gezahlten Löhnen auch die vom Arbeitgeber getragenen Sozialversicherungsbeiträge, der bezahlte Urlaub, Sonderzahlungen und betriebliche Leistungen für die Altersvorsorge.