Chemie vereinbart krisenorientierten Tarifabschluss
Hamburg/Hannover – Die auf Bundesebene geführten Tarifverhandlungen für die 550.000 Beschäftigten der chemischen Industrie sind am 21. April 2010 mit dem Abschluss eines mehrteiligen Tarifpakets beendet worden. Die darin vereinbarte Einmalzahlung von 550 Euro, die abhängig von der jeweiligen wirtschaftlichen Lage in den Unternehmen per Betriebsvereinbarung verschoben oder gekürzt werden kann, eröffnet den von der Wirtschaftskrise stark gebeutelten Chemieunternehmen die nötigen Spielräume zur Erholung. Vor allem die 300 Betriebe in Norddeutschland mit ihren rund 67.000 Beschäftigten können damit aufatmen. Sie mussten im vergangenen Jahr einen Produktionsrückgang von 30 Prozent verkraften und haben auch weiterhin mit den Folgen der Krise zu kämpfen. Eine tabellenwirksame Entgeltsteigerung hätte ihre Situation weiter verschärft. Das räumte nach zähen Verhandlungen auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie ein und gab diese Forderung auf Drängen der Arbeitgeber auf.
Neben der genannten flexibilisierten Einmalzahlung und einer weiteren einmaligen Zahlung, die nur von den Unternehmen zu zahlen ist, die von der Wirtschaftskrise nicht betroffen waren und die dann 200 Euro beträgt, haben sich die Chemie-Tarifparteien auf die Einführung eines neuen, innovativen Instruments zur Nachwuchssicherung in der Krise geeinigt. Die Unternehmen zahlen einmalig rund 25 Millionen Euro in einen Fonds ein. Mit dem Geld wird die befristete Weiterbeschäftigung von ausgelernten Auszubildenden mit jeweils 1.000 Euro gefördert und damit sichergestellt, dass jedes Jahr 1.000 gut ausgebildete Nachwuchskräfte trotz der wegen der Krise sehr angespannten Arbeitsmarktlage ins Berufsleben starten können. „Statt eine starre Übernahmepflicht zu vereinbaren, die zu weniger Ausbildungsplätzen geführt hätte, haben wir für die chemische Industrie ein innovatives Instrument gefunden, das jungen Menschen trotz der Wirtschaftskrise den Start ins Berufsleben erleichtert. Damit unterstreichen wir erneut, dass wir unsere gesellschaftspolitische Verantwortung sehr ernst nehmen“, so Dr. Jochen Wilkens, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes ChemieNord.
Zum Thema Beschäftigungssicherung wurde unter anderem ein erweitertes Begründungsverfahren gegenüber dem Betriebsrat ermöglicht. Außerdem werden die Chemie-Unternehmen bundesweit von 2011 bis 2013 jährlich durchschnittlich 9.000 neue Ausbildungsplätze anbieten.
Für die 67.000 Beschäftigten in der norddeutschen Chemieindustrie gilt der neue Tarifvertrag ab dem 1. Mai 2010. Er hat eine Laufzeit von elf Monaten.
Die immer noch angespannte wirtschaftliche Lage in vielen norddeutschen Chemie-Unternehmen wurde im krisenorientierten Tarifabschluss berücksichtigt.