Nach intensiven drei Verhandlungsrunden haben sich der BAVC und die IGBCE vergangene Woche auf einen Tarifabschluss für die bundesweit 1.700 Chemie- und Pharmaunternehmen mit rund 585.000 Beschäftigten verständigt. Er sieht Entgelterhöhungen in zwei Stufen und verschiedene Instrumente zur Stärkung der Betriebe im Strukturwandel vor.

BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk und IGBCE-Verhandlungsführer Oliver Heinrich unterzeichnen den Chemie-Tarifabschluss 2026. Foto: BAVC
Unternehmen, die nicht wesentlich von der Krise betroffen sind, können eine oder beide Stufen der Tariferhöhung um 3 Monate vorziehen. In diesem Fall beraten zunächst die Betriebsparteien über die Nutzung dieser Option. Die abschließende Entscheidung trifft der Arbeitgeber.
Der Tarifabschluss hat eine Laufzeit von 27 Monaten bis Ende Mai 2028 und umfasst weitere Maßnahmen der Sozialpartner zur Stabilisierung der krisengeschüttelten Chemie-Industrie.
Unsere Informationsveranstaltung zum Tarifabschluss für unsere Mitgliedsunternehmen findet am 16. April von 10 bis 13 Uhr in Laatzen statt.
Zur Unterstützung von Unternehmen und Beschäftigten im Strukturwandel entwickeln IGBCE und BAVC den bestehenden Demografie-Tarifvertrag zu einem Transformations-Tarifvertrag weiter. Zentrale Neuerung dabei: Die Mittel des betrieblichen Demografiefonds können ab sofort auch für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung eingesetzt werden. In Frage kommen etwa Investitionen in Weiterbildung, in Ausbildungskapazitäten oder in persönliches Coaching. Die Verwendung der Mittel erfolgt zielgenau ausgerichtet am Bedarf im Betrieb. Für die Jahre 2026 und 2027 zahlen die Arbeitgeber einen zusätzlichen Betrag in Höhe von 300 Euro pro Kopf und Jahr in den betrieblichen Fonds ein (für Auszubildende 150 Euro pro Kopf und Jahr).
Der kollektive Demografie- und Transformationsfonds begründet keine individuellen Ansprüche einzelner Beschäftigter. Für Vollzeitbeschäftigte zahlen Arbeitgeber bislang 750 Euro jährlich in den Fonds ein, für Teilzeitbeschäftigte anteilig. Arbeitgeber und Betriebsrat entscheiden über die Verwendung anhand tariflich vorgegebener Optionen. Bislang werden die Mittel vor allem für die betriebliche Altersversorgung und Langzeitkonten eingesetzt.
Zusätzlich werden IGBCE und BAVC weitere Instrumente finanzieren und ausbauen, die Unternehmen und Beschäftigten im Strukturwandel helfen wie das Analyse-Tool PYTHIA Chemie, den Future Skills Report Chemie und den Fachkräfteradar Chemie.
Das in der Branche etablierte Analyse-Tool PYTHIA Chemie bietet sowohl eine Demografie- als auch eine Qualifikationsanalyse im Unternehmen. Mit dem Tool können Unternehmen die vorhandenen Qualifikationen ihrer Beschäftigten abbilden und den zukünftigen Qualifikationsbedarf ermitteln, insbesondere im Hinblick auf demografiebedingte Fluktuation. Eine regelmäßige Demografie-Analyse ist in der Chemie bereits seit 2008 Bestandteil des Flächentarifs.
Der Future Skills Report Chemie wird aktualisiert und ausgeweitet. Er ermittelt KI-basiert auf Grundlage von Stellenausschreibungen, welche Kompetenzen in der chemisch-pharmazeutischen Industrie künftig benötigt werden, und bietet Unternehmen und Beschäftigten so eine verlässliche Orientierung zu in der Branche gefragten Berufen und Kompetenzen.
Die finanzielle Förderung des bundesweit angebotenen Fachkräfteradars Chemie durch die Sozialpartner wird verlängert und das Angebot ausgebaut. Die Online-Plattform ermöglicht es Fachkräften und Ausbildungsabsolventen, die nicht weiterbeschäftigt werden können, schnell und einfach von anderen Betrieben kontaktiert zu werden, die Personalbedarf haben.
Ist ein Arbeitsplatz vom Strukturwandel betroffen, empfehlen die Chemie-Sozialpartner eine Weiterbildungsberatung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, etwa über das Beratungsangebot der Bundesagentur für Arbeit (BA). Die Sozialpartner unterstützen und informieren bei Bedarf.
Eine Informationsveranstaltung vom BAVC und der Bundesagentur für Arbeit zur Weiterbildungsberatung findet am 29. April von 10 bis 11.30 Uhr online statt.
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