Seit Dezember 2020 führen wir für Sie unsere digitale Veranstaltungsreihe „Positionsbestimmung“ durch. Darin greifen wir stets unterschiedliche Themen der Zeit aus allen für Sie und Ihr Unternehmen relevanten Bereichen auf, präsentieren diese prägnant und lassen dabei namhafte Stakeholder zu Wort kommen.

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Gestartet sind wir mit Prof. Dr. Michael Hüther vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Es folgten Veranstaltungen mit:
Thematisch ging es natürlich um wirtschaftspolitische Herausforderungen. Aber auch die Energiewende, Perspektiven für Niedersachsen, die Rolle der Chemie-Sozialpartner, die Arbeitswelten in Deutschland und China, Corona als Veränderungstreiber der Führungskultur und der Werteorientierung, Veränderungszuversicht, Inflation, erfolgreiche Kommunikationsformen, Klarheit und Konzentration in digitalen Zeiten, Cybersecurity, die Zukunft unserer Kranken- und Pflegeversicherung, Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt und erfolgreiche Strategien zur Förderung positiven Denkens haben wir bereits diskutiert.
Mit der Frage „Wie lassen sich Asylmigration und Fachkräfteanwerbung sinnvoll steuern?“ hatten wir auch in unserer 15. „Positionsbestimmung“ Ende November ein hochaktuelles Thema ausgewählt und mit Prof. Dr. Daniel Thym von der Universität Konstanz einen derzeit von vielen Medien gefragten Experten als Referenten eingeladen. In Meinungsumfragen, was die Menschen in Deutschland derzeit am meisten beschäftigt, belegt das Thema Migration dauerhaft einen Spitzenplatz.
Sie sind Mitglied bei uns und möchte uns ein Thema mitteilen, das wir in unserer Positionsbestimmung näher beleuchten sollten? Dann melden Sie sich gern bei uns unter: info@chemienord.de
Im ARD-Deutschlandtrend antworteten Anfang September 77 Prozent der wahlberechtigten Deutschen auf die Frage: "Brauchen wir eine grundsätzlich andere Asyl- und Flüchtlingspolitik, damit weniger Menschen zu uns kommen, oder nicht?" mit Ja.
Prof. Thym plädierte in unserer Veranstaltung für eine klare Trennung und Steuerung von Asylmigration und Fachkräfteeinwanderung, um beides wirksam und gesellschaftlich tragfähig gestalten zu können. Er verwies auf den zwingenden Bedarf, Asylmigration restriktiv und kontrolliert zu steuern durch Grenzkontrollen, Asylbeschränkungen, Rechtsänderungen weg von komplizierten Einzelfall-Prüfungen und EU-Kooperationen mit anderen Staaten. Gleichzeitig plädierte er dafür, die Einwanderung von Fachkräften aktiv zu fördern via Punktesystem, Chancenkarte und EU-konformer Liberalisierung.
Insgesamt sprach er sich für ein neues politisches Selbstverständnis Deutschlands als Einwanderungsrepublik aus. Denn auf Fachkräfte-Einwanderung seien wir schließlich angewiesen. Nicht zuletzt, weil bspw. in Ländern wie Polen die Gesellschaft noch stärker altere als bei uns. Anders sähe es in südlichen Ländern aus, wie etwa Uganda oder Marokko. Hier stünden viele junge (oft auch gut ausgebildete) Menschen weniger alten Menschen gegenüber.
Auch wenn klar sei, dass Asylmigration den Fachkräftemangel in Deutschland nicht beheben könne, würden die beiden Themen unmittelbar miteinander zusammenhängen: Denn ob Erwerbsmigration auch wirklich funktioniert, also ob qualifizierte Arbeitskräfte gerne zu uns kommen und vor allem auch bleiben wollen, hängt damit zusammen, wie willkommen sie sich fühlen.
Politisch könne das Thema Migration also nur erfolgreich vorangebracht werden, wenn an die Stelle eines Gegeneinanders von feststehender Leitkultur und multikultureller Beliebigkeit die Suche nach einer auch kulturellen Gemeinsamkeit treten, um das Thema pragmatisch bearbeiten zu können.
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