Durchdachtes Ausbildungsprojekt

Ausbildungsinhalte für Industriemechaniker in einem Wort? Grill!

Was haben der Bau eines Edelstahlgrills und die Ausbildung zum Industriemechaniker bzw. Industriemechanikerin miteinander zu tun? Normalerweise nicht viel. Es sei denn, man ist Azubi bei International Flavors & Fragrances – kurz IFF – in Walsrode und der Bau eines Grills vermittelt kompakt die wichtigsten Inhalte der gesamten Ausbildung.

Azubi Leon Bomblies zusammen mit Ingenieur Sönke Rautmann vor dem fertigen Edelstahlgrill, den ab sofort alle angehenden Industriemechaniker und Industriemechanikerinnen bei IFF bauen dürfen.

Am Anfang stand ein Missgeschick: Leon Bomblies, damals Auszubildender zum Industriemechaniker im 3. Lehrjahr bei IFF in Walsrode, verletzte sich an der Hand. Schnell stand fest: An der praktischen Abschlussprüfung würde er nicht teilnehmen können. Was also tun?

Sein Ausbilder Alexander Oehus hatte eine Idee. Leon sollte als Ersatz für die fehlende Prüfung ein Projekt entwickeln. Das Ziel: Am Ende sollte ein Produkt stehen, bei dessen Herstellung die Azubis sämtliche erlernten Fertigkeiten und Techniken praktisch einsetzen können. Und mit dem man hinterher auch etwas anfangen kann. „Zuerst dachte ich an Seifenkisten”, erzählt Leon. „Dann hätten wir beim Seifenkistenrennen in Bad Fallingbostel teilnehmen können. Aber dann hat sich schnell herausgestellt, dass das viel zu schwer umzusetzen ist. Und der Nutzen für den Alltag ist auch eher gering.” Aber schnell fiel ihm etwas Neues ein: ein Edelstahlgrill, der Stück für Stück im Laufe der Ausbildung entsteht.
 

Aus der Not eine Tugend gemacht 

Die Idee kam bei allen Verantwortlichen super an. Also begann Leon mit der Planung. Zunächst zeichnete er ganz klassisch die einzelnen Teile des Grills mit Stift und Papier, später erstellte er mit einem CAD-Zeichenprogramm ein virtuelles Modell am PC. Als alles zu passen schien, startete er schließlich mit dem Bau des ersten Prototyps. Dabei zeigte sich: Der Teufel steckte wie so oft im Detail. Nicht jedes Teil passte auf Anhieb, nicht alles funktionierte sofort. Also hieß es nachbessern. Unterstützung bekam Leon dabei nicht nur von seinem Ausbilder, sondern auch von Ingenieur Sönke Rautmann und Kolleginnen und Kollegen aus der Zentralwerkstatt.

Kurz vor Weihnachten 2021 war es dann so weit. Der erste Grill war fertig und es konnte angegrillt werden. Ein ungewöhnlicher Zeitpunkt? Auf jeden Fall, aber die Kolleginnen und Kollegen freuten sich auch im Dezember über die frisch gebratenen Würstchen.
 

Vorteile für Azubis und Ausbilder: Ein Projekt, das die gesamte Ausbildungszeit begleitet

Inzwischen ist das Grill-Projekt serienreif und die ersten Industriemechaniker-Azubis starteten im Juni dieses Jahres mit dem Bau. Los geht es im 2. Lehrjahr, wenn sie schon erste Fertigkeiten – wie Sägen, Bohren oder Biegen – erworben haben. Später müssen sie dann unter anderem Griffe oder Räder drehen, Schraubenköpfe fräsen und Einzelteile zusammenschweißen. Die Herstellung des Grills begleitet sie über die gesamte Dauer ihrer Ausbildung. Am Ende dürfen sie ihr eigenes Exemplar mit Hause nehmen.

Für die Azubis werden auf diese Weise ihre Ausbildungsfortschritte nicht nur sichtbar, sondern – im wahrsten Sinne des Wortes – greifbar.

Und noch in einem weiteren Punkt profitieren sowohl die späteren Grill-Besitzer als auch die Ausbilder von diesem besonderen Projekt: Beim Bau zeigt sich, welche Tätigkeiten dem jeweiligen Azubi ganz besonders liegen bzw. Spaß machen. Das erleichtert die Entscheidung, auf welchen Bereich sie sich nach der Ausbildung spezialisieren und wo sie am besten eingesetzt werden können.

Das Projekt ist ein super Beispiel dafür, wie erlernte Fähigkeiten praktisch angewendet und stetig fortentwickelt werden. Das Produkt wächst quasi mit dem Ausbildungsstand der Azubis.

Martin Kowollik, Leiter der Ausbildung bei IFF

Über IFF

IFF stellt Produkte her, die wir überall in unserem täglichen Leben wiederfinden können. Im Fokus stehen hier Cellulose-Derivate, die aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen und vor Ort weiterverarbeitet und optimiert werden. Das Multitalent Cellulose ist so flexibel einsetzbar, dass es in unterschiedlichen Formen in einer Vielzahl von Produkten des täglichen Bedarfs eingesetzt wird. Das sind beispielsweise Tablettenkapseln, Zahnpasta, glutenfreies Brot und vegetarische Fleischalternativen, aber auch Druckfarben und andere Spezialanwendungen.

Derzeit bildet IFF am Standort Walsrode in einem eigenen Ausbildungszentrum rund 60 Jugendliche in den vier Berufen Chemikant, Industriemechaniker, Chemielaborant und Elektroniker für Betriebstechnik aus.  

Mehr unter www.industriepark-walsrode.de oder www.iff.com.

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