Chemie-Tarifrunde im Norden ergebnislos vertagt:

 

Wettbewerbsfähigkeit muss wieder hergestellt werden

 

Hannover, 8. März 2022 – Die erste Runde der Tarifverhandlungen für die 66.000 Beschäftigten in 300 norddeutschen Chemieunternehmen ist heute ohne Ergebnis vertagt worden. In der mehrstündigen Verhandlung unterstrichen die Chemie-Arbeitgeber, dass es in dieser Tarifrunde um eine zentrale Weichenstellung für die Zukunft gehe. Die von Kunststoff- und Kautschukverarbeitern sowie von Automobilzulieferern geprägte norddeutsche Chemiebranche kämpft mit eingebrochenen Märkten, gestörten Lieferketten, wegbrechenden Geschäftsmodellen sowie massiv gestiegenen Rohstoffpreisen, die sie Markt nicht weitergegeben können. „Wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen wieder herstellen und sollen gleichzeitig die Herausforderungen der Transformation bewältigen, da gibt es keinen Spielraum für völlig überzogene Entgeltforderungen“, betont Dr. Jochen Wilkens, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes ChemieNord.

45 Prozent der norddeutschen Chemie-Unternehmen verzeichnen sinkende Erträge. Bei knapp über der Hälfte der Unternehmen liegt der Anteil der Arbeitskosten bei rund 30 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie im bundesweiten Branchendurchschnitt. „Wir haben seit Monaten eine konjunkturelle Zweiteilung in der Chemie-Branche, die unsere Unternehmen im Norden vor riesengroße Herausforderungen stellt. Die Gewerkschaft verschließt davor immer noch die Augen, sodass wir auch nach dieser Verhandlung meilenweit auseinanderliegen in der Bewertung der aktuellen Situation. Die weiteren Verhandlungen auf Bundesebene werden sich so extrem schwierig gestalten“, befürchtet Dr. Jochen Wilkens. Die IGBCE Landesbezirk Nord hatte auch in der Verhandlung an ihren zentralen Forderungen nach Entgeltsteigerungen über der Inflationsrate und der Erhöhung der Nachtschichtzuschläge auf 25 Prozent festgehalten.

Die heutigen Chemie-Tarifverhandlungen fanden unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine statt. Zu Beginn der Verhandlung äußerten die Verhandlungspartner gemeinsam ihre Betroffenheit über die aktuelle Situation. Weiterverhandelt wird jetzt auf Bundesebene. Dabei findet die nächste Verhandlungsrunde am 21. März 2022 erneut in Hannover statt.


Über ChemieNord:
ChemieNord ist der Arbeitgeberverband für die chemische Industrie in Norddeutschland. Der Verband vertritt 300 Mitgliedsunternehmen mit 66.000 Beschäftigten. Kernaufgaben des Verbandes sind der Abschluss von Tarifverträgen und die arbeitsrechtliche Beratung der Mitgliedsunternehmen. Chemi-eNord unterstützt seine Mitgliedsunternehmen darüber hinaus im Demografie- und Gesundheitsma-nagement, beim Ausbildungsmarketing und vertritt die gemeinsamen Interessen seiner Mitgliedsun-ternehmen gegenüber den Medien, der Öffentlichkeit, der Politik, Behörden, Gewerkschaften, Spit-zenverbänden und anderen Organisationen.