Start der Chemie-Tarifrunde im Norden:
 

Arbeitgeber erwarten harte Verhandlungen und fordern Augenmaß und Bodenhaftung von der Gewerkschaft

 

Hamburg/Kiel/Hannover, 25. Juni 2018 - Am Dienstag, 26. Juni, sitzen sich in Hannover der Arbeitgeberverband ChemieNord und die IGBCE Nord zu ihrer ersten Chemie-Tarifrunde für Norddeutschland in diesem Jahr gegenüber und dabei werden extrem weit auseinandergehende Positionen hart aufeinandertreffen. Die IGBCE fordert mit sechs Prozent mehr Entgelt und einem zusätzlichen Prozent mehr Urlaubsgeld mehr als alle anderen Gewerkschaften in der Tarifrunde 2018 und beruft sich dabei auf die gute Konjunktur der Branche. Der Arbeitgeberverband ChemieNord verweist dagegen auf die besondere Struktur der norddeutschen Chemieindustrie, in der es außergewöhnlich viele weiterverarbeitende Betriebe gebe, die gerade jetzt unter extrem gestiegenen Rohstoffpreisen litten und von der anderswo derzeit noch gut bewerteten konjunkturellen Lage der Branche nicht profitieren können.

"Preissteigerungen bei den von unseren Unternehmen benötigten Rohstoffen von bis zu 200 Prozent sind seit längerem keine Seltenheit und diese Kostensteigerungen können unsere Unternehmen auf den hart umkämpften Märkten nicht weiterreichen. Die IGBCE muss aufpassen, dass sie mit ihrer völlig überzogenen Forderung nicht die Existenzgrundlage von norddeutschen Chemieunternehmen in Frage stellt", sagt Dr. Jochen Wilkens, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes ChemieNord.

Auch zu der Forderung der IGBCE, in dieser Tarifrunde über eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Arbeitsbedingungen zu sprechen, findet Wilkens klare Worte: "Viele Unternehmen in der Chemie bieten bereits heute eine Reihe von Möglichkeiten, um Beruf und Privatleben gut in Einklang zu bringen. Zeitsouveränität darf zukünftig keineswegs mit weniger Arbeitszeit gleichgesetzt werden. Gerade vor dem Hintergrund fehlender Fachkräfte und der bereits zurückgegangenen Anzahl der Arbeitsstunden pro Beschäftigten benötigen die Unternehmen Arbeitszeit und entsprechende Kapazitäten. Es kann also nicht darum gehen, weniger zu arbeiten, sondern flexibler zu arbeiten."

Mit Blick auf das diesjährige Tarifverhandlungsmotto der IGBCE "Weil du es wert bist" fordert Dr. Jochen Wilkens ebenfalls ein Umdenken beim Verhandlungspartner. Die Ge-

werkschaft suggeriere damit eine mangelnde Wertschätzung der Arbeitgeber für ihre Beschäftigten, was jeder Realität widerspreche. "In der Chemie verdienen Tarifbeschäftigte in Vollzeit im Schnitt über 59.000 Euro im Jahr und liegen damit an der Spitze in Deutschland. Hinzu kommen Zahlungen für Altersvorsorge und Weiterbildung, die ebenfalls weit über dem Durchschnitt anderer Branchen liegen. Wenn also eine Branche ihre Beschäftigten wertschätzt, dann die Chemie", so Wilkens.

Für die anstehenden Tarifverhandlungen erwartet der Verbandschef von der IGBCE einen zukunftsorientierten realistischen Blick auf das Machbare und verweist mit Nachdruck auf die Möglichkeit, die von der Gewerkschaft aus der bundesweiten Sonderkonjunktur hergeleiteten Entlohnungswünsche durch auszuhandelnde Sonderzahlungen zu berücksichtigen. Die besondere Lage sehr vieler norddeutscher Chemieunternehmen als Rohstoff abhängige Weiterverarbeiter sowie greifbare Risiken wie internationale Handelskonflikte, Sanktionen, steigende Ölpreise und die Folgen des Brexit erforderten aber insgesamt ein besonderes Maß an Bodenhaftung und Augenmaß. "Unsere Unternehmen benötigen jeden Euro, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Sie können derzeit keine weiteren dauerhaften Kostensteigerungen verkraften."

Hinweis an die Redaktionen:

Die Tarifverhandlungen für die 65.000 Beschäftigten der norddeutschen Chemieindustrie beginnen am Dienstag, 26. Juni 2018, um 11.00 Uhr im Designhotel + Congress Centrum Wienecke XI, Hildesheimer Straße 380, 30519 Hannover. Vor Ort stehen die Verhandlungsführer vorab und nach der Verhandlung für O-Töne zur Verfügung.

 

Über ChemieNord:

ChemieNord ist der Arbeitgeberverband für die chemische Industrie in Norddeutschland. Der Verband vertritt 300 Mitgliedsunternehmen mit 65.000 Beschäftigten. Kernaufgaben des Verbandes sind der Abschluss von Tarifverträgen und die arbeitsrechtliche Beratung der Mitgliedsunternehmen.